Graciano Rocchigiani

* 29.12.1963 in Rheinhausen
† 01.10.2018
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Angelegt am 03.10.2018
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Über den Trauerfall (4)

Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Graciano Rocchigiani, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.

Graciano Rocchigiani

03.10.2018 um 18:42 Uhr von Redaktion

Graciano „Rocky“ Rocchigiani

(* 29. Dezember 1963 in Rheinhausen; † 1. Oktober 2018 in Belpasso, Italien) war ein deutscher Boxer. In den Gewichtsklassen Supermittelgewicht und Halbschwergewicht wurde er jeweils Weltmeister. Graciano Rocchigiani war der jüngere Bruder von Ralf Rocchigiani.

Boxkarriere

03.10.2018 um 18:42 Uhr von Redaktion

 

Amateur

1982 wurde der Rechtsausleger Rocchigiani in Sindelfingen für die Neuköllner Sportfreunde, bei denen er das Boxen erlernt hatte, Deutscher Meister im Halbmittelgewicht und wechselte im Jahr darauf ins Profigeschäft. Er bestritt 122 Amateurkämpfe.

 

Profi

Sein Profidebüt fand am 10. September 1983 in Köln statt, wo er den Veteranen Esperno Postl aus Österreich durch technischen K.o. in der zweiten Runde besiegte. 1985 gewann er gegen Rüdiger Bitterling die Deutsche Meisterschaft im Mittelgewicht und 1986 durch einen Punkterfolg über Manfred Jassmann den Meistertitel im Halbschwergewicht.

 

Am 11. März 1988 gewann er den IBF-Weltmeistertitel im Supermittelgewicht, einer neu eingeführten Gewichtsklasse, die damals noch nicht das heutige Ansehen genoss. Rocchigiani besiegte in seinem 24. Profikampf vor 6000 Zuschauern in der Düsseldorfer Philipshalle den US-amerikanischen Titelträger Vincent Boulware in der achten Runde durch technischen K. o. Er wurde dadurch, nach Max Schmeling und Eckhard Dagge, der dritte deutsche Weltmeister im Profiboxsport. Er war damit der jüngste deutsche Boxweltmeister. Nach drei Titelverteidigungen legte er den Titel nieder, um wieder im Halbschwergewicht zu boxen. Dort sicherte er sich 1991 den Europameistertitel.

 

In den 1990er Jahren unterlag er dem bis dahin ungeschlagenen Chris Eubank im Kampf um den WBO-Titel im Supermittelgewicht umstritten nach Punkten. Sogar die Kommentatoren des den Kampf übertragenden britischen TV-Senders hatten Rocchigiani vorne gesehen. Daraufhin scheiterte sein Versuch, gegen Frederic Seillier zum zweiten Mal Europameister zu werden; er erreichte nur ein Unentschieden.

 

1995 wurde er zum zweimaligen Kontrahenten von Henry Maske, gegen den er im ersten Kampf umstritten nach Punkten unterlag. Er hatte Maske von Beginn des Kampfes an sehr effektiv mit Aufwärtshaken attackiert, wobei er sich selbst hinter seiner bewährten Doppeldeckung verschanzte. Zweimal während des Kampfes war Maske anscheinend angeschlagen, in der letzten Runde gar am Boden, wobei der Ringrichter dies nicht als regulären Niederschlag wertete. Maskes Punktsieg wurde damit begründet, dass „Rocky“ viele andere Runden wegen zu geringer Aktivität abgegeben habe. Der Rückkampf war hingegen eine einseitige Angelegenheit mit klarer Überlegenheit Maskes, den Rocchigiani zu keinem Zeitpunkt in Bedrängnis bringen konnte und daher eindeutig verlor.

 

Auch gegen Dariusz Michalczewski trat er zweimal an: Wiederum war der erste Kampf, der am 10. August 1996 am Hamburger Millerntor stattfand, sehr umstritten. Nachdem Rocchigiani die erste Kampfeshälfte dominieren konnte, wurde er in der siebten Runde wegen Schlagens nach einem Unterbrechen-Kommando disqualifiziert. Das Duell wurde für den nach Punkten zurückliegenden Michalczewski gewertet, der den Abbruch durch das Signalisieren der Kampfunfähigkeit provoziert hatte – was von Rocchigiani angesichts des vermeintlich leichten Schlagens später als Simulieren interpretiert wurde. Er fühlte sich wie schon gegen Maske betrogen und sah den Grund in seiner geringen Lobby, da er keinen Promoter hatte und nicht so populär war. Wie schon gegen Maske, war er auch im Rückkampf gegen Michalczewski im April 2000 chancenlos und unterlag vorzeitig. Ein möglicher dritter Kampf kam trotz mehrerer Versuche nie zustande; ein letzter Termin, der für Mai 2008 geplant war, scheiterte am fehlerhaften Vertragswerk des Veranstalters.

 

Am 21. März 1998 holte er den vakanten Halbschwergewichtstitel des WBC nach einem Sieg gegen Michael Nunn. Der Gewinn des Titels war insofern umstritten, als der Titelverteidiger Roy Jones Jr. ihn nie offiziell abgegeben hatte. Der Verband hatte dies aber so interpretiert und daher den Kampf um den vermeintlichen Titel ausgelobt. Dieser Titelgewinn wurde Rocchigiani später durch den WBC-Verband wieder aberkannt, wogegen Rocchigiani erfolgreich klagte. Ihm wurden 31 Millionen US-Dollar Schadenersatz zugesprochen, woraufhin der WBC Konkurs anmeldete. Mitte Juli 2004 ging Rocchigiani auf ein Vergleichsangebot von 4,5 Mio US-Dollar ein.

 

 

Seinen letzten Kampf verlor er am 10. Mai 2003 gegen Thomas Ulrich.

Privates

03.10.2018 um 18:38 Uhr von Redaktion

Rocchigianis Vater Zanubio ist Eisenbieger aus Sardinien, seine Mutter stammt aus Berlin. Rocchigiani besuchte bis zur neunten Klasse die Realschule und erlernte den Beruf des Gebäudereinigers. Anderen Angaben zufolge brach er die Ausbildung ab. Bis Anfang der 1990er Jahre wohnte er im Berliner Bezirk Schöneberg.

 

1995 heiratete er seine Partnerin Christine. 2001 trennte sich das Paar.

 

An der Grabenstraße im Duisburger Stadtteil Neudorf leitete Rocchigiani sein eigenes Box-Trainingscenter mit dem Namen Rocky’s Gym, wo er mehrere Boxer trainierte (u. a. Selcuk Aydin und Herbie Hide). Ab Januar 2009 bestand eine Kooperation mit Arena Box-Promotion unter Leitung von Promoter Ahmet Öner. Das Trainingscenter schloss Anfang 2010.

 

Rocchigiani wurde mehrfach zu Freiheitsstrafen verurteilt, darunter wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung, aber auch wiederholten Fahrens ohne gültige Fahrerlaubnis. Im Januar 2007 musste er in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Senne zum zweiten Mal wegen Verstoßes gegen Bewährungsauflagen eine neunmonatige Gefängnisstrafe antreten. Auf eigenen Wunsch ließ er sich in den offenen Vollzug nach Moers-Kapellen verlegen, um sein Fitnessstudio in Duisburg weiter betreiben zu können. Im November 2007 wurde Rocchigiani vorzeitig aus der Haft entlassen.

 

2007 veröffentlichte er im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag seine Autobiographie Rocky – Meine 15 Runden.

 

Im Juni 2012 wurde er zu einer Geldstrafe von 3.600 Euro wegen Nötigung verurteilt. Er hatte in einem seit Tagen schwelenden Streit einer Freundin das Handy entrissen. Wenig später wurde bekannt, dass Rocchigiani, der zeitweilig Alkoholprobleme hatte, sein Vermögen verloren und Arbeitslosengeld II bezogen hatte.

 

2018 spielte er in dem österreichischen Kurzfilm TNT Boxerstory des Regisseurs Mark Gerstorfer die Hauptrolle. Des Weiteren moderierte er zusammen mit seinem Bruder Ralf Boxkämpfe für den Sender Sport1.

Tod

03.10.2018 um 18:37 Uhr von Redaktion

Am 1. Oktober 2018 kam Graciano Rocchigiani gegen 23:30 Uhr bei einem Verkehrsunfall in Belpasso auf Sizilien ums Leben, bei dem er als Fußgänger auf der Strada statale 121 von einem Auto erfasst wurde. Er hinterließ seine aus Italien stammende Lebensgefährtin und drei Kinder.

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